“You get what you pay for” – Falsche Erwartungen an Billig-Smartphones + Empfehlung

Einer der größten Vorteile von Android ist die Vielfalt an Geräten, die für jeden Geldbeutel erhältlich sind. Es ist nachzuvollziehen, dass sich nicht jeder das aktuellste Highend-Flagship-Modell von Smartphone kaufen kann. Dafür gibt es genügend Niedrig- und Mittelpreissegment-Smartphones, deren kauf man nicht bereut. Natürlich muss man hier und da Abstriche bei Geschwindigkeit, Speicherplatz oder Quälität der Materialien machen, doch im Normalfall sind alle Smartphones nutzbar.

Die meisten User wissen, dass sie bei mehr Geld auch mehr Leistung bekommen. Und dann gibt es wiederum User mit zu hohen Erwartungen und sich erhoffen mit einem günstigen billigen Smartphone, welches ca. 70 Euro kostet, die gleiche Leistung zu bekommen wie bei einem Gerät mit einem Preis von 200-300 Euro.

Augen auf beim Smartphone kauf

Besonders herausstechen tut hier meiner Meinung nach Samsung mit seinem Galaxy Pocket Plus bzw. Pocket Neo, welche für ca. 70-90 Euro zu haben sind. Neben einem 2,8″ bzw. 3,0″ 240×320 Display, werden beide von einer 850 MHz Single Core CPU und 512MB RAM betrieben. Dass die CPU für ein solches Gerät in Zeiten wie diesen unterdimensioniert ist, steht außer Frage. Vielleicht würde das ganze Paket runder laufen, wenn es bereits mit 4.4 KitKat laufen würde, denn dieses wurde speziell für schwachbrüstigere Geräte angepasst durch “Projekt Svelte“.

ProxSens
(In Rot: Annäherungssensor)

Eine (negativ auffallende) Besonderheit, die beide Smartphones inne haben, ist das Fehlen eines Annäherungssensors am oberen Teil der Front. Was macht dieser Annäherungssensor? Wie der Name selbst schon sagt, wird durch diesen erkannt, ob das Gerät grade ans Ohr gehalten und telefoniert wird. Ist dies der Fall, schaltet sich das Display automatisch ab, damit ein versehentliches Auflegen oder Stummschalten verhindert wird. Die beiden Samsungs lösen dies insofern, dass das Gerät automatisch gesperrt wird und man doppelt auf den Touchscreen drücken muss, um weitere Eingaben zu ermöglichen. Sehr nervig und für Smartphoneanfänger ganz und gar nicht einfach und intuitiv, wenn man erst 2x auf den Touchscreen drücken muss und dann nochmal, um beispielsweise aufzulegen.

Am Anfang war der Speichermangel

In der Anfangszeit von Android gab es durchaus Geräte, bei denen man Aufgrund des niedrigen internen Speichers verzweifelte. Speicherkarten waren damals zwar schon verfügbar, aber mal abgesehen, dass die alten Android-Phones, die noch keine Apps2SD unterstützung kannten, muss – wie heutzutage immer noch – ein Teil der App auf dem Gerät installiert werden.  Damals waren 512MB interner Speicher Standard, von denen ca. 120-200MB für den Eigengebrauch zur Verfügung standen, heutzutage ist mindestens 1GB für den User zur Verfügung stehender Speicherplatz normal.

Diese User mit zu hohen Erwartungen an ihr Billig-Handy kommen meistens von ganz normalen Feature-Phones (also Nicht-Smartphones) wie beispielsweise alten Nokias oder Samsungs, die auf auf Symbian (S40) basieren und nicht mehr gewöhnt sind für ein Handy mehr als 50 Euro zu bezahlen.

You get what you pay for

Wenn der günstige Vertrag mit dem billigen Handy erstmal abgeschlossen ist, dann kommen nach einiger Zeit die ersten Beschwerden. Diese gehen dann häufig an Leute, die sich meist besser mit Geräten auskennen in der Hoffnung, dass man noch etwas daran tun kann.

Viel zu häufig hören die Sparfüchse dann “Ich hab n’ iPhone, ich hab noch nie solche Probleme gehabt!” und beginnen sich dann zu wundern, ob sie auf das falsche Pferd gesetzt haben. Natürlich würde niemand auf die Idee kommen ein 100 Euro Handy mit einem iPhone zu vergleichen – außer der Otto-Normal-Verbraucher, der nicht daran denkt, dass man manchmal ein wenig mehr ausgeben sollte.

Es gibt in der englischen Sprache den Spruch “You get what you pay for” was so viel heißt wie “Man bekommt das, wofür man bezahlt”. Jeder mit ein wenig gesundem Menschenverstand würde nicht erwarten, dass ein 100 Euro Handy genau so gut ist wie ein (im günstigsten Falle) 400 Euro teures iPhone 4s? Natürlich werden dann die Hasstiraden geschwungen und gemeckert, dass Android “nicht so gut” wie iOS ist, wenn vorher beim Handy gespart wurde, aber dann aus unerfindlichen Gründen doch mehr Geld ausgegeben wird und sogar mehr Leistung dafür bekommt

Motorola Moto G(ute Grundausstattung)

Für Sparfüchse, die dennoch bei Android bleiben möchten – oder für diejenigen, die im Bekanntenkreis für Technik-Empfehlungen zuständig sind – ein paar Tipps für Smartphones mit ordentlicher Leistung zu einem guten Preis:

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  • Motorola Moto G

Das zweite unter – damals noch in Googles Fuchtel – veröffentlichte Smartphone ist ein Low- bis Midend-Gerät. Angetrieben von einem Quad Core Snapdragon 400, 1GB RAM und wahlweise 8 oder 16 GB, besitzt es zudem noch ein 4,5″ Display mit 1280x720er Auflösung.

Das macht es auch nicht zum Spitzenreiter bei Benchmarks, aber es ist eines der wenigen Smartphones, welches bereits mit Android 4.4.2 (KitKat) geupdated wurde und dadurch schneller läuft als vergleichbare Geräte mit 4.3 Jelly Bean. Mal abgesehen davon war es Motorola wichtig ein preisgünstiges Handy auf den Markt zu bringen mit Akkus, die nicht nach einem halben Tag aufgeben.

Es kommt nicht nur auf die verwendeten Komponenten an, sondern auch auf die Optimierungen, die bei der Software gemacht wurden. Während Samsung und HTC quasi einen Stein an ihre Geräte gebunden haben mit ihren eigenen Grafikoberflächen, zu denen auch unnötige Apps und Funktionen gehören, setzt Motorola auf ein nahezu pures AOSP-Android, so wie man es auf beispielsweise Nexus-Geräten gewöhnt ist.

Samsung oder nicht Samsung, das ist hier die Frage

Natürlich sagen viele nun “Wenn ich ein günstigeres Smartphone haben will, geh ich mir ein Samsung Galaxy S4 Mini holen! Weil Samsung, ey!” Nur wenn man vergleicht, was man für weniger Geld an Mehrwert beim Moto G bekommt, sollte die Entscheidung eigentlich klar sein. Schnellere Oberfläche, bessere Akkulaufzeit, besserer Prozessor, größeres und besser aufgelöstes Display in einem nicht wirklich größeren Gehäuse und zeitnahe Betriebssystem-Updates. Als zwei Nachteile könnten höchstens der nicht erweiterbare Speicher – deshalb empfehle ich zur höheren 16GB-Version zu greifen – und die durchschnittliche Kamera erwähnt werden.

Samsung ist derzeit eben in aller Munde, weil sie derzeit Marktführer im Smartphone-Bereich sind, das heißt aber noch lange nicht, dass es für spezielle Bedürfnisse nicht eventuell bessere Lösungen gibt. Natürlich bekommt man für mehr Geld auch das bessere Produkt, deshalb lohnt es sich manchmal ein wenig mehr für ein Smartphone auszugeben, besonders wenn man nicht plant es nach 6 Monaten durch ein anderes zu ersetzen.

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Roberto Giunta
Roberto studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien. In seiner Freizeit streift er durch die Untiefen seiner RSS-Feeds und Podcasts und schaut sich Serien bzw. Filme bevorzugt in Originalsprache an. Interessiert an allem was mit Technologie und Games zu tun hat.
Roberto Giunta

Roberto Giunta

Roberto studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien. In seiner Freizeit streift er durch die Untiefen seiner RSS-Feeds und Podcasts und schaut sich Serien bzw. Filme bevorzugt in Originalsprache an. Interessiert an allem was mit Technologie und Games zu tun hat.